Das Titelrennen in der Eishockey-Landesliga war in diesem Jahr so spannend wie selten. Punktgleich standen am Ende die Reserve aus Freiburg und die Balinger Eisbären an der Tabellenspitze.

Die Meisterschaft sicherte sich der EHC, das bessere Torverhältnis gab den Ausschlag für die Breisgauer. Trotz des verpassten Titels und des damit verbundenen Aufstiegs beschäftigt sich der EC Balingen um den ersten Vorsitzenden Dietmar Gogoll nun intensiv mit der Regionalliga.

Herr Gogoll, die Eisbären Balingen haben nur ganz knapp den Titel in der Landesliga verpasst. Aufgrund des schlechteren Torverhältnisses sind sie Vizemeister und müssen Freiburgs zweiter Mannschaft den Vortritt lassen. Wie sehr ärgert Sie das?

Dietmar Gogoll: Eigentlich sind wir mit dem gesamten Saisonergebnis mehr als zufrieden. Aber ja, wir ärgern uns schon ein bisschen. Es wäre natürlich schön gewesen, den ersten Platz zu holen – aber letztendlich zählt das bessere Torverhältnis. Für die Leistung wäre es schon gerechtfertigt gewesen, Rang eins zu bekommen, aber wir sind auch mit dem zweiten Platz zufrieden.

Hätten die Eisbären den Aufstieg in die Regionalliga angenommen, wenn sie Meister geworden wären?

Gogoll: Diese Entscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab. So bräuchten wir zum Beispiel eine Kunststoffbande mit Plexiglas um das Spielfeld herum. Es müssten also von den Betreibern der Eishalle Investitionen getätigt werden. Da sind wir aber schon in Gesprächen. Denn man könnte aus Schwenningen eine gebrauchte Kunststoffbande kaufen – die Verhandlungen laufen. Außerdem müssten wir den Kader etwas aufstocken. Denn in der Regionalliga werden an einem Wochenende zwei Spiele absolviert. Ausfälle wären mit dem jetzigen Kader dann kaum noch zu kompensieren. Ganz so einfach wäre der Aufstieg also nicht. Auch aus finanzieller Sicht. Die Fahrstrecken wären zwar kürzer, aber dafür ist der Aufwand bei zwei Spielen am Wochenende deutlich höher.

Das heißt die Aufstiegsfrage wäre erst geklärt worden, wenn der EC Balingen den Titel in der Tasche gehabt hätte?

Gogoll: Ja. Wir wollen die Aufstiegsfrage mit Blick auf die kommende Runde aber schon mal vorab klären. Da die Mannschaft voraussichtlich zusammenbleibt, gehe ich davon aus, dass wir im nächsten Jahr wieder um den Titel mitspielen. Mit Esslingen und Pforzheim zählen wir zu den Titelaspiranten. Dann stünde die Frage mit dem Aufstieg vielleicht wieder im Raum. Daher wollen wir sie von unserer Seite aus schon mal klären.

Und sollte Freiburg auf den Aufstieg verzichten …?

Gogoll: Dann würde man uns fragen, ob wir in die Regionalliga aufsteigen möchten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir die Frage, ob wir aufsteigen wollen und können intern schon mal beantworten. An dieser Entscheidung muss auch die Mannschaft beteiligt werden. Es nützt nichts, wenn der Verein beschließt, dass man aufsteigen möchte, aber das Drumherum nicht passt. Aber wir gehen sowieso davon aus, dass Freiburg aufsteigt. Sie haben zu hart dafür gekämpft. Zumal es angenehmer ist in der Regionalliga zu spielen. Es sind zwar mehr Spiele, aber es läuft alles etwas geregelter ab als in der Landesliga.

Wann wird sich entscheiden, ob Freiburg den Aufstieg annimmt?

Gogoll: Die Saison endet offiziell am Samstag mit dem Spiel zwischen Mannheim und Reutlingen. Das hat aber punktemäßig keine Auswirkungen mehr auf uns. Ich denke vor nächster Woche wird es da keine Entscheidung geben. Vermutlich wird Mitte April aber alles entschieden sein.

Die Balinger Mannschaft war in dieser Runde nicht immer konstant. So hat sie mit 3:7 das Hinspiel gegen Freiburg verloren und eine Woche später gegen das gleiche Team mit 5:3 gewonnen. Wie erklären Sie sich diese Leistungsschwankungen?

Gogoll: Wir haben in der Anfangsphase bis Weihnachten das Problem gehabt, dass wir nur wenige Spiele absolvieren konnten und dadurch nicht in den Spielfluss gekommen sind. Zum Teil weil die Partien vom Gegner abgesagt wurden, zum Teil mussten wir auch absagen. Zum anderen ist es nach wie vor so, dass wir – und das ist der Hauptfaktor – in Balingen zu spät Eis bekommen. Das ist auch ein Punkt, der vor einem Aufstieg in die Regionalliga geklärt werden müsste.

Zweimal Platz drei und jetzt Rang zwei, das ist die Landesliga-Bilanz der Eisbären der vergangenen drei Jahre. Hätten Sie damit gerechnet, dass Balingen so konstant in dieser Spielklasse vorne mitspielt?

Gogoll: Dass es so extrem gut wird, hat im Vorfeld sicher keiner erwartet. Diese Kontinuität lässt sich auch davon ableiten, dass unser Kader in den vergangenen Jahren fast identisch geblieben ist. Es gab nur kleine Veränderungen im Mannschaftsgefüge. Daher ist das Team zu einer Einheit zusammengewachsen. Da gehören auch die Spiele dazu, in denen der eine für den anderen einsteht. Ausschlaggebend ist natürlich auch der Trainer. Es kann kein Trainer in ein, zwei Jahren etwas auf die Beine stellen, wenn er die Mannschaft nicht kennt und umgekehrt. Mittlerweile kennt unser Trainer Rafael Popek die Mannschaft sehr gut. Aber man muss auch ein bisschen Glück haben.

Apropos Trainer, wird Rafael Popek auch in der kommenden Runde die Balinger Mannschaft coachen?

Gogoll: Er bleibt definitiv. Auch weil das Team so gut ist, hat er gesagt er hängt auf jeden Fall noch eine Runde dran.

Im Nachwuchsbereich sind die Eisbären zusammen mit der TSG Reutlingen wieder mit drei Mannschaften im Spielbetrieb angetreten. Wie bewerten Sie das Abschneiden der Teams?

Gogoll: Nach wie vor verlieren wir leider immer noch die meisten Spiele. Ab und zu gab es aber auch einen Sieg. Es ist eine Tendenz da, dass die Mannschaften besser werden und besser mit den Gegnern mithalten können. Das hat man zum Beispiel bei den Knaben gesehen, die am Ende der Saison nur noch ganz knapp ihre Spiele verloren haben. Wir haben als Spielgemeinschaft das Problem, dass die Spieler der einzelnen Teams nicht immer miteinander trainieren können. Außerdem haben wir in Balingen gerade quasi nur eineinhalb Trainer, weil einem der Übungsleiter noch der Trainerschein fehlt. Aber wir sind auf einem guten Weg.

 

Quelle: Zollern-Alb Kurier vom Samstag, 31. März 2018, Seite 17
Autor: Anna Wittmershaus
Foto: EC Eisbären Balingen e.V.